Generalversammlung am 20. Mai 2016 auf Lage

Verabschiedung E. Bremer

Verabschiedung des bisherigen Vorsitzenden

 Neuer Vorsitzender

Begrüßung des neuen Vorsitzenden durch Bürgermeister Hüdepohl

Was macht eine Kirche mit Kanonen?

Was man die Kirche mit Kanonen

So fragten sich mancher verwundert, als beim Ausräumen des Lager Kirchturmes im Frühling des Jahres 2002 zwei alte Kirchenkanonen zum Vorschein kamen. Nach umfangreichen Erkundigungen fand man heraus, dass sie seit dem 19. Jahrhundert fürs Böllern an Fronleichnam benötigt wurden. Pfarrer Dr. Heinrich Bernhard Kraienhorst fand im Lager Pfarrarchiv Hinweise, dass schon in den 1850-er Jahren auf Kirchenkosten Pulver für Fronleichnam gekauft wurde. Wohl gemerkt: Es geht nicht ums Schießen von Kanonenkugeln, sondern nur um das Böllern: Zu besonderen Festen und Ereignissen werden mit speziellen Böllergeräten und Schwarzpulver Explosionen erzeugt und dadurch ein Ehrensalut gegeben.

Was ist der Sinn des Böllerns?

Was ist der Sinn des Böllerns?

Damit soll zunächst den Kranken und allen, die bei der Fronleichnams-Prozession nicht anwesend sein können, kundgetan werden, dass nun der Eucharistische Segen gegeben wird. Darüber hinaus ist es eine Ehrenbezeigung für das Heilige Sakrament. Im 19. Jahrhundert gehörte das Böllerschießen bei den Fronleichnamsprozessionen in vielen Gemeinden des Bistums  Osnabrück zum festen Bestandteil dieser Feierlichkeit.

Die Lager Kirchenkanonen wurden 2002 unter tatkräftiger Mithilfe der Merzener und Voltlager Kanoniere wieder instand gesetzt. In diesen beiden Gemeinden ist der Brauch des Böllerns seit den 1970-er Jahren wieder aufgelebt. In jüngster Zeit haben auch andere Pfarreien des Osnabrücker Landes wie Fürstenau und Bersenbrück den Brauch des Böllerns erneuert. In Ankum ist diese Tradition durch den Kanonierverein ununterbrochen erhalten geblieben.

Im Frühjahr 2003 bildete sich eine Gruppe von Männern aus der Pfarrei Lage, die sich für den Brauch des Böllerns interessierten. Im Sommer des Jahres absolvierten Eduard Bremer und Otto Uhlenkamp einen Lehrgang für den Umgang mit dem hochexplosiven Schwarzpulver und legten erfolgreich die Prüfung ab. Der Lager Pfarrgemeinderat hatte nämlich mittlerweile beschlossen, dass bei der Fronleichnams-Prozession die Böller wieder zum Einsatz kommen sollten. So wurde zu Fronleichnam 2003 mit Genehmigung durch den Landkreis Osnabrück erstmals wieder seit den 1930-er Jahren auf Lage geböllert, und zwar auf der alten Böllerwiese am Lager Tor. Zu anderen besonderen Anlässen wird ebenfalls geböllert, so z.B. beim Kirchweihfest an Johanni (24. Juni) sowie zum Neujahrsfest. Besondere Anlässe sind auch Priesterjubiläen, Bischofsbesuche und Papstgeburtstage.

Die Bruderschaft der Lager Kanoniere St. Johannes der Täufer e.V.

wurde am Fronleichnamstag 2006 im Pfarrhaus zu Lage gegründet. Dies erfolgte nach eingehenden Beratungen und in Abstimmung mit dem Bischöflichen Generalvikariat zu Osnabrück. “Zweck des Vereins ist die Förderung des traditionellen Brauchtums”, insbesondere durch “die Übernahme von Diensten bei der Ausgestaltung kirchlicher Feste”, so die Satzung. Verbunden damit ist auch “die Pflege des geistlichen Lebens der Mitglieder.”

Schon im 15. Jahrhundert wird eine Riester Marienbruderschaft erwähnt. In einer für die Lager Kirche um 1450 geschriebenen Notenhandschrift, die sich heute in der Kölner Dombibliothek (Msc 259) befindet, heißt es:

 

Singulis diebus dominicis in perpetuum fiat oracio generalis de ambone in ecclesia Lagensi per priorem aut per eum, qui oracionem consueverit petere pro infrascriptis … pro fratribus et sororibus nostrae fraternitatis et pro benefactoribus nostris, pro omnibus, qui sibi procurarunt memorias perpetuas in Ecclesia Lagensi …

pro fratribus et sororibus fraternitatis beatae Mariae in Rijst.

 

Jeden Sonntag soll auf ewig ein allgemeines Gebet von der Kanzel in der Lager Kirche gesprochen werden vom Prior oder dem, der gewöhnlich das Gebet zu beten pflegt, für die unten verzeichneten … für die Brüder und Schwestern unserer Bruderschaft und für unsere Wohltäter, für alle, die für sich ewige Gedächtnisse in der Lager Kirche gestiftet haben …

für die Brüder und Schwestern der Bruderschaft St. Marien zu Rieste.

 

(Text bei Berlage, [Franz Karl], Historische Notizen aus einem alten Cantorale der Commende Lage, in: Osnabrücker Mitteilungen 28 (1903) 288-292, hier 289.)

 

Diese Riester Marienbruderschaft war eine der vielen Zusammenschlüsse von Gläubigen, die auch im Bistum Osnabrück das geistliche Leben des Spätmittelalters prägten. Wilhelm Berning schreibt 1940 in seinem Buch “Das Bistum Osnabrück vor Einführung der Reformation (1543)” über solche Vereinigungen: “Das Gedächtnis der Toten wurde gepflegt, praktische Nächstenliebe ausgeübt und streng auf Zucht und Ehrbarkeit gesehen. Besonders fühlten sich die Mitglieder mit ihrer Bruder- schaftskirche verbunden. Dort feierten sie ihre Feste, dort stand ihr Altar, der in den meisten Fällen aus Schenkungen der Brüder errichtet war. Vor ihrem Altar und auch vor dem Sakrament der Kirche pflegten die Bruderschaften Lichter zu unterhalten und an ihm regelmäßig an mehreren Wochentagen Messen lesen oder singen zu lassen. Gesellige Veranstaltungen der Bruderschaften standen ebenfalls unter religiösem Einfluss” (S. 253-254).

Dr. Jochen Folz
Dr. Jochen Folz

Dr. Jochen Folz

Der 2006 gegründete gemeinnützige Verein der “Bruderschaft der Lager Kanoniere St. Johannes der Täufer e.V.” sieht sich in der Nachfolge dieser im 15. Jahrhundert bezeugten Riester Marien-Bruderschaft. Zum Bruderschaftsaltar in der Lager Kirche wurde der 1676 zu Ehren des hl. Johannes des Täufers geweihte Hochaltar bestimmt. Darüber hinaus wird auch der Kontakt zu anderen Traditions-Vereinigungen gepflegt wie zu der im Jahre 1609 gegründeten Corporis-Christi-Erzbruderschaft an der Stadtpfarrkirche St. Peter zu München. Am 19. Juni 2009  wurde die “Bruderschaft der Lager Kanoniere” durch Dr. Jochen Folz, den Kaplan  der Münchener Erzbruderschaft, als korporatives Mitglied in diese altehrwürdige  Gebetsgemeinschaft aufgenommen. Dies geschah während eines Festgottesdienstes am  Hochaltar der Lager Kirche

Zur Hilfe bei der Kreuztracht mit dem Lager Kreuz

stehen die Mitglieder der Bruderschaft gerne zur Verfügung, wenn auswärtige Pilgergruppen dies wünschen. Das Lager Kreuz wiegt 134 kg und erfordert beim gemeinsamen Tragen eine gewisse Erfahrung. Diesbezüglich mögen sich Pilgergruppen rechtzeitig beim Pastor von Lage melden.

Praktische Dienstleistungen für die Lager Kirche

erbringt der Verein zu den Hochfesten des Kirchenjahres, wozu auch die Aufstellung von Weihnachtsbäumen und Pfingstbirken gehört. In diesem Zusammenhang sei die Hilfe bei der Sakraments-prozession zum Ewigen Gebet genannt, aber auch die Mitwirkung bei der Lager Kirmes zu Johanni. Die mittlerweile 20 Mitglieder – Männer und Frauen – möchten sich intensiv in das Geschehen in der Kirchengemeinde Lage-Rieste einbringen.

Als Beitrag zur Brauchtumspflege

Als Beitrag zur Brauchtumspflege

sehen die Vereinsmitglieder ihr Bestreben, sich eine historische Uniform zuzulegen. Hierzu wurde nun der erste Schritt gemacht: Als erster Bestandteil einer Uniform wurde – auch dank freundlicher Unterstützung der örtlichen Geldinstitute – ein Hut angeschafft. Es handelt sich um einen historischen Dreispitz in Schwarz, mit Silberborde sowie roter und weißer Feder. Diese Farben erinnern an den Malteserorden und sind auf dem Epitaph des unvergessenen Komturs Johann Jakob von Pallandt (+ 1693) in der Lager Kirche zu sehen. Nach einer ersten Anprobe stellten sich einige der Kanoniere zu einem Gruppenbild unter dem Riester Wahrzeichen – dem Lager Tor – auf.